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Was sind eigentlich “wet sticks”?

Wet sticks unter einer Glasglocke
Wet sticks unter einer Glasglocke

Wet sticks und propagation boxes – ich verstehe kein Wort?


Wenn man sich zum ersten Mal mit dem faszinierenden Thema tropischer Zimmerpflanzen auseinandersetzt, stößt man online auf viele Begriffe, die anfangs vielleicht etwas verwirrend wirken.
Für mich war einer dieser Begriffe die “wet sticks”.
Bei Kleinanzeigen werden unter diesem Namen viele Pflanzen angeboten. Als ich die Bilder von diesen grünen Stückchen in transparenten Plastikboxen sah, dachte ich mir, dass dies wohl eher etwas für erfahrene Pflanzenliebhaber ist.
Ich hatte wirklich überhaupt keine Ahnung davon.

Was es eigentlich damit auf sich hat, warum man sie schneidet und was dabei zu beachten ist, habe ich inzwischen herausgefunden. Und das möchte ich euch jetzt ganz schnell und einfach erklären!

Begriffserklärung wet sticks

Kommt aus dem englischen und bedeutet direkt übersetzt nasse Stöcke/Äste, für uns besser übersetzt fände ich “feuchte Stämmchen”. Da online viel in Englisch kommuniziert wird, hat sich der Begriff auch unter deutschen Pflanzenliebhabern schnell etabliert. Stammstecklinge wäre eine passende deutsche Bezeichnung.

Was sind sie genau

Wet sticks sind eine besondere Form von Stecklingen, nämlich zurecht geschnittene Stückchen von Trieben, Zweigspitzen und Stämmen, sie haben keine Blätter. Sie haben die Anlage für einen Neuaustrieb und können bereits neue Wurzeln ausgebildet oder eine Luftwurzel haben.

Wozu sie genutzt werden

Es gibt verschiedene Gründe, diese Art von Stecklingen anzufertigen, alle dienen dazu, eine Mutterpflanze zu vermehren und daraus weitere Pflanzen zu ziehen. In der Regel sind Stecklinge mit Blättern in Wasser leichter zu bewurzeln, aber manchmal hat man keine Blätter mehr oder möchte diese bewusst entfernen.
Diese Gründe sprechen für Stammstecklinge:

  • Die Pflanze ist neu, und es sollen zügig einige “Sicherheitskopien” angefertigt werden, falls sie doch noch eingeht. Entweder, weil sie sehr teuer war oder besonders empfindlich ist. Oder beides :).
  • Die Pflanze ist besonders wertvoll und über die Vermehrung soll Geld mit Verkäufen von Ablegern verdient werden
  • Die Pflanze hat einen schlimmen Schädlingsbefall und ist optisch (alle Blätter kaputt) und gesundheitlich nicht mehr zu retten.
  • Ein Rückschnitt ist nötig. Die Pflanze ist zu groß geworden oder kränklich gewachsen. Dabei soll aus dem “Abfall” der Rückschnitte Ableger gezogen werden.
  • Die Pflanze soll einfach so vermehrt werden, weil man gerne mehr Ableger davon möchte.

Fallen euch noch weitere Gründe ein? Schreibt sie mir doch in die Kommentare!

Wie werden wet sticks geschnitten

Das Prinzip ist einfach, man zerschneidet den Stamm oder einen Ast der Pflanze in kleinere Stücke und nimmt die Blätter ab. Wie genau, kommt sehr auf die Pflanze an. Denn damit wieder eine neue Pflanze daraus wachsen kann, braucht es einen “node”, eine Stelle im Stamm, an der sich ein Neuaustrieb bilden kann. Dies wird auch als “schlafendes Auge” bezeichnet. Ohne ein solches Auge passiert später leider nichts! Je nach Pflanze ist das ganze Vorhaben recht einfach oder auch ein bisschen komplizierter umzusetzen.

Ein mein Lieblingsbuch zum Thema, das es sowohl in Deutsch als auch in Englisch gibt, ist dieses:

Zuletzt aktualisiert am 25. Februar 2024 um 12:59 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Nun braucht es noch: Feuchtigkeit, ein Medium, Wärme und ggf. Licht, ab und zu frische Luft.

Danach lässt man die Stückchen etwas trocknen und legt sie in ein Medium. Das kann ein Moos sein oder ein Granulat. Dieses Medium soll nun feucht und warm gehalten werden.

Viele nutzen dafür Glasglocken, kleine Gewächshäuser, große Einmachgläser, kleine Plastikbehälter oder gleich ganz große Boxen aus Plastik. Das habt ihr sicher online schon einmal gesehen, sogenannte “propagation boxes”. Propagation bedeutet einfach Vermehrung.

Wet sticks unter einer Glasglocke
Meine liebste Glasglocke, sie hat oben ein Belüftungsloch.

Und dann heißt es, warten. Mit der Zeit werden sich Wurzeln und Neuaustriebe bilden. Das kann schnell gehen, aber auch mal sehr, sehr lange dauern, viele Monate. Je nachdem, welche Bedingungen ihr euren Stämmchen bieten könnt und um welche Pflanzenart es sich handelt. Mit dem Umsetzen in ein anderes Medium solltet ihr warten, bis ausreichend kräftige Wurzeln gewachsen sind. Dann stehen die Zeichen gut!

Folgende Produkte können zur Unterstützung genommen werden

Wärmematten wie diese:

Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2024 um 23:42 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.


Ein passendes Anzucht-Medium:

Wet sticks unter einer Glasglocke
Wet sticks unter einer Glasglocke

Sphagnummoos ist beliebt, da es (meistens) nicht schimmelt, die Luftfeuchtigkeit hochhält und die Pflanzen gerne darin wurzeln. Ein Nachteil liegt im oft nicht nachhaltigen Abbau des Mooses und dass es schwer sein kann, die Wurzeln aus dem Moos wieder heraus zu friemeln.
Perlite werden gerne benutzt, auch das funktioniert meiner Erfahrung nach gut. Nachteil: gesundheitsschädlicher Staub beim Einatmen.
Momentan ist ein feiner, schwarzer Aquarienkies beliebt. Alles kann mehrmals verwendet werden.

Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2024 um 23:42 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2024 um 22:52 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Kann etwas schiefgehen?

Ja, bedauerlicherweise.
Das Ästchen kann beginnen zu faulen und das Medium kann euch verschimmeln, wenn es nicht gut genug belüftet wird. Manche Pflanzen faulen schneller und sind schwerer zu bewurzeln, dazu zählt zum Beispiel die schöne Monstera Thai constellation. Manchmal sind die Stammstücke bereits zu ausgetrocknet (Importware) und nicht mehr am Leben.

Bitte große Vorsicht beim Kauf!

Aus einem kleinen wet stick erfolgreich eine gesunde Pflanze zu ziehen, erfordert Übung und Erfahrung. Eins müsst ihr wissen: Es gibt nie eine Garantie! Das Stückchen kann euch kaputtgehen und es kann sein, dass sich nie eine Pflanze daraus entwickelt. Ihr wisst nie, in welchem Zustand das Stückchen bei euch ankommt.
Es ist ein wirkliches Glücksspiel.
Es gibt Betrüger, die Stücke ohne Blattknoten verkaufen, oder Stücke, aus denen bereits ein Trieb gewachsen ist, der abgeschnitten wurde. Ihr habt dann zwar ein Auge, aber es ist nicht mehr schlafend, es ist “verbraucht”, man nennt dies einen “spent node”.
Während dem großen Pflanzenhype wurden leider viele Menschen auf diese Weise übers Ohr gehauen. Wir reden hier von Beträgen über 100, manchmal über tausende Euro. Gerade Raritäten oder gefragte Pflanzen ziehen Betrüger magisch an. Und bei Käufen von privat habt ihr kaum eine Chance, etwas nachzuweisen, besonders, wenn der Verkäufer im Ausland sitzt. Manche zogen diese Masche monatelang durch und verschwanden dann einfach zusammen mit dem Geld.
Eine andere Art von Betrug ist der Verkauf von falsch deklarierten wet sticks, zum Beispiel wurden statt Monsteras mit Panaschierung Stammstücke von ähnlich aussehenden Pflanzen verkauft. Bis der Laie dies erkennt, vergehen viele Wochen. Bis dahin ist der betrügerische Verkäufer über alle Berge.
Besonders vorsichtig solltet ihr sein, wenn ihr initiativ von Verkäufern aus dem Ausland angeschrieben werdet.

Habt ihr bereits Erfahrungen gesammelt mit dem vermehren eurer Pflanzen?
Ich plane, in Zukunft noch etwas genauer auf die Vermehrungsmethoden einzelner Pflanzenarten einzugehen. Schaut gerne wieder hier vorbei.

Produkttipps

All meine Empfehlungen für Pflanzenpflege Produkte findet ihr hier:
https://pflanzenmama.de/produkttipps-und-empfehlungen-fuer-pflanzenfreunde/

Disclaimer: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Dieser Blog ist nur ein Hobby. Ich bin weder Botanikerin noch Biologin. Ich bin nicht wissenschaftlich ausgebildet. Nicht alles, was ich schreibe, wird daher stimmen. Ich schreibe umgangssprachlich. Vieles beim Thema Zimmerpflanzen hängt von der eigenen häuslichen Umgebung ab. Es gibt teilweise wenig verlässliche Quellen als Grundlage für meine Recherchen – selbst in meinen Fachbüchern zum Thema Pflanzen finden sich Fehler oder unterschiedliche Ansichten. Ich verlasse mich auf eigene Erfahrung und die Berichte anderer. Wenn ihr einen Fehler findet, seht es mir bitte nach. Sehr gerne dürft ihr mich darauf hinweisen und korrigieren. Ich freue mich immer über neue Informationen und einen regen Austausch.

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